theater ensemble

In Gegenwart des Windes (Gastspiel)

von Bahram Beyzaie

Eintritt frei. In persischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Das Gastspiel wurde ermöglicht über eine Förderung durch DEMOKRATIE LEBEN des Bundeministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Das Theaterstück des iranischen Autors Bahram Beyzaie hinterfragt die Selbstüberschätzung und Überheblichkeit der Menschen. Ein Blick hinter die Fassaden einer undemokratischen und oberflächlichen Gesellschaft, die nur Schwarz-Weiß-Bilder wahrzunehmen scheint.
Drei Personen diskutieren über die Bedeutung der Werte „Versöhnung“, „Einigkeit“ und „Großzügigkeit“.
Im Laufe der Diskussion, bei der einer die Vermittlerrolle einnimmt, wird nach den „Schuldigen“ an den Ungereimtheiten der Welt und der Gesellschaft gesucht. Jeder sieht sich selbst als der Bessere, Großzügigere und Menschlichere. Dabei wird das Verhalten der Personen zueinander immer brutaler…

Das Stück hinterfragt mit einem Hauch vom schwarzen Humor die Selbstüberschätzung und Überheblichkeit von Menschen, die sich überaus „menschlich“, „harmonieliebend“ und „großzügig“ zeigen wollen, jedoch das Gegenteil sind.
IN GEGENWART DES WINDES zählt zum absurden Theater und wurde 1969 verfasst. Es ist noch immer sehr aktuell und blickt hinter die Fassaden einer undemokratischen und oberflächlichen Gesellschaft, die nur Schwarz-Weiß-Bilder wahrzunehmen scheint.

Der Autor Bahram Beyzaie (geboren 1938 in Teheran) ist einer der bekanntesten iranischen Theater- und Drehbuchautoren sowie Regisseur. Zurzeit lebt er in den USA und lehrt an der Stanford Universität Iranisches Theater und Film:

Seine Tochter, die iranische Autorin und Regisseurin Niloofar Beyzaie lebt hingegen seit 1985 in Deutschland im Exil. Sie gründete 1994 nache dem Abschluss ihres Studiums (Germanistik und Theater- Film und Fernsehwissenschaften, Magister an der Goethe Universität Frankfurt a.Main) die freie Theatergruppe Daritsche.
Ihr Hauptanliegen ist, auf die Unterdrückung und den Widerstand insbesondere der Frauen in den vom politischen Islam regierten Ländern aufmerksam zu machen.
2005 wurde sie von der persischen Weltakademie für Kunst, Literatur und Medien in Budapest für ihre engagierte Theaterarbeit im Exil als beste Regisseurin in der Kategorie Darstellende Künste ausgezeichnet.

Text: Bahram Beyzaie, Regie: Niloofar Beyzaie,

Darsteller: Behrokh Babai, Manutchehr Radin, Farhang Kassraei

Ensemble: Theatergruppe Daritsche

 

در حضور باد

نویسنده: بهرام بیضایی

کارگردان: نیلوفر بیضایی

بازیگران: بهرخ بابایی، منوچهر رادین، فرهنگ کسرایی

عکس: وحید منجزی

زمان نمایش: 55 دقیقه

نمایش با بحث سه نفر درباره ی فواید آشتی و انسان دوستی آغاز می شود. در طول بحث که یکی از این سه نفر در آن تقش میانجی را بر عهده دارد، هر کس بدنبال مقصر در آشفتگی های جهان می گردد و هر کس می خواهد خود را انسان دوست تر و برتر از دیگری نشان بدهد، اما در عمل برخوردها خشن تر می شود… نمایش در حضور باد با ستفاده از طنز سیاه خود برتربینی و خود شیفتگی انسانهایی را به پرسش می کشد که میان حرف و عملشان فاصله ی زیادی وجود دارد. این نمایش که در ژانر تئاتر آبزورد قرار می گیرد، در دهه ی چهل نوشته شدهاست.  اما موضوع آن همچنان و شاید بیش از هر زمان امروزی ست و اعماق جامعه ای با ساختار غیردمکراتیک را که تنها به تصاویر سیاه و سفید بسنده می کند و در سطح باقی می ماند، نشان می دهد.

بهرام بیضایی (متولد 1317) یکی از شناخته شده ترین نمایشنامه نویسان، فیلمنامه نویسان و کارگردانهای تئاتر و سینما در ایران است و در حال حاضر در آمریکا زندگی و در دانشگاه استفورد تئاتر و سینمای ایران را تدریس می کند.

نیلوفر بیضایی نمایشنامه نویس و کارگردان تئاتر از سال 1985 در تبعید در آلمان زندگی می کند. او در سال 1994 گروه تئاتر دریچه را بینانگذاری کرد. محور اصلی بسیاری از آثار نمایشی او فشار از بالا و مقاومت بخصوص در رابطه با زنان در جوامع اسلامی است. او در سال 2005 از اکادمی ایرانی هنرهای بوداپست برای کار هنری اش در تبعید جایزه ی بهترین کارگردان تئاتر را در رشته ی هنرهای نمایشی دریافت کرد.

Trailer

Künstlerische Leitung

Niloofar Beyzaie
Regie
  • Niloofar Beyzaie
    Regie

Pressestimmen

Wo Frauen nur halb so viel wert sind

MainPost-Pat Christ
Der brisanten Frage, inwieweit eine Gesellschaft, die jahrzehntelang einen totalitären Staat zulässt, schuld an den Verbrechen dieses Staats ist, geht in ihrer Produktion „In Gegenwart des Windes“ die Frankfurter Theatergruppe „Daritsche“ nach. Das Drei-Mann-Stück in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln ist im Würzburger Theater ensemble zu sehen. Der Eintritt ist frei, denn neben deutschem Publikum sind vor allem iranische Flüchtlinge als Zuschauer angesprochen.

Die erste Szene des Stücks beginnt harmonisch, wird bald ziemlich unfreundlich und endet in einem handfesten Konflikt. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, die über die Vorteile der Versöhnung reden. „Die drei sind die einzigen Überlebenden einer Katastrophe und sollen danach suchen, wer am Tod der anderen schuldig ist“, erzählt Regisseurin Niloofar Beyzaie, die mit „In Gegenwart des Windes“ ein Stück ihres Vaters Bahram Beyzaie inszeniert. Alle drei sind sich einig, dass sie selbst keinerlei Schuld tragen. Aber wer ist wohl humanistischer? Über diese Frage entbrennt zwischen zweien von ihnen ein erbitterter zu Konkurrenzkampf.

Solcherart Entsolidarisierung zählt für Niloofar Beyzaie zu den größten Hindernissen im Kampf um bessere Verhältnisse. Die Masken tragenden Schauspieler in dem 1969 verfassten Stück verraten einander, um Vorteile zu erlangen. So kann sich nichts verbessern, meint die Theaterfrau mit Blick auf die totalitären Strukturen im Iran. „Das Undemokratische dort fängt schon bei der Gesetzgebung an“, betont sie. Das iranische Grundgesetz kennt keine Gleichberechtigung: „Im Zivilrecht, das von Koran und islamischen Gesetzen übernommen wurde, haben zwei Frauen die gleiche Stimme wie ein Mann.“

Der Abend im Theater ensemble will auch an das brutale Vorgehen der iranischen Regierung gegen Oppositionelle erinnern. „In den letzten 32 Jahren wurden tausende Dissidenten hingerichtet, erhängt oder starben unter grausamster Folter“, sagt die Regisseurin. Selbst harmlose Vergehen würden hart bestraft. So dürfen sich Frauen seit der islamischen Revolution vor 37 Jahren nicht ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit zeigen: „Frauen dürfen also nicht über ihren eigenen Körper bestimmen. Das Tragen des Kopftuchs ist gesetzlich verankert, und wer die Gesetze nicht befolgt, landet im Gefängnis.“

Das Thema wurde in den vergangenen Monaten wieder aktuell, soll doch die iranische Polizei im Mai acht Menschen wegen „unislamischer Taten“ verhaftet haben. Darunter waren Frauen, die im Internet Fotos von sich veröffentlicht haben sollen, auf denen ihre Haare zu sehen waren. Eine von ihnen war das Social-Network-Model Elham Arab. Über ihre Theaterarbeit setzt sich Niloofar Beyzaie seit Jahren aktiv für Frauen ein, die in den vom politischen Islam regierten Ländern unterdrückt werden. Weitere zentrale Themen der 1967 geborenen Regisseurin sind „Das Fremdsein“ und „Das Leid des Individuums in der Masse“.

Niloofar Beyzaie lebt seit 1985 in Deutschland im Exil. 1994 gründete sie nach dem Abschluss ihres theaterwissenschaftlichen Studiums in Frankfurt die freie Theatergruppe Daritsche. Ihre Theaterstücke wurden bisher über 300 Mal in ganz Europa, USA und in Kanada aufgeführt und sorgten auch für Aufmerksamkeit in der iranischen Presse.

Die Schauspieler von „Daritsche“ (deutsch: Guckloch) weisen mit ihren Aufführungen auch darauf hin, wie viele Künstlerinnen und Künstler aus totalitären Regimen ins Exil vertrieben werden. Avantgardistisches Theater ist in Staaten wie dem Iran unmöglich. Gleichzeitig macht das Ensemble bewusst, wie wertvoll Demokratie ist. „Das deutsche Grundgesetz sieht alle Menschen als gleichberechtigt an, Glaube, Zugehörigkeit oder Geschlecht spielen keine Rolle“, so Niloofar Beyzaie. Natürlich sei auch in Deutschland nicht alles ideal: „Aber hier hast du als Individuum, als Partei oder Organisation das Recht, gegen eventuell bestehende Ungereimtheiten zu protestieren.“

Das Gastspiel findet Freitag bis Sonntag, 28. bis 30. Oktober, statt. Beginn der Vorstellung ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Produktion im Theater ensemble (Bürgerbräu- Gelände) wird über die Stiftung „Demokratie leben!“ gefördert.

Karten und weitere Infos unter: 0931-44545