Der Besuch der alten Dame
Die „reichste Frau der Welt“, die Milliardärin Claire Zachanassian, kehrt nach 45 Jahren in ihre Heimatstadt Güllen zurück. Das inzwischen völlig ruinierte Städtchen bereitet ihr einen pompösen Empfang und alle erhoffen sich von der alten Dame eine rettende finanzielle Großspende. Doch Klara Wäscher, wie die Philanthropin früher hieß, offenbart nach und nach ihre wirklichen Absichten – sie kommt vor allem, um sich zu rächen…
Künstlerische Leitung
Besetzung
Regisseurin
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Christel RiedelCLAIRE ZACHANASSIAN
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Herbert HausmannILL / BUTLER
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Gisbert von LiebiegILL / BUTLER
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Jarno RieferBÜRGERMEISTER
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Angela FrickeLEHRERIN
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Jan UlbrichtPASTOR / FLEISCHER
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Annika FörsterPUNKERIN / KUNDIN / KOBBY / JOURNALISTIN
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Annika SimonTOCHTER / LOBBY
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Felix HeilPFÄNDUNGSBEAMTER / MALER / SOHN / ROBBY / ARZT
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Franziska WirthFRAU ILL
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Karolin BenkerZUGBEGLEITERIN
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Paula GomezPOLIZISTIN / KOBBY
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Thomas SchröterGATTE VII-IX / ROBBY / MODERATOR
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Lea Paulina NäderTOCHTER / KUNDIN / JOURNALISTIN
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Laila GrümpelFRAU BÜRGERMEISTER
Galerie
Pressestimmen
DÜRRENMATT AUF DER SOMMERBÜHNE IM EFEUHOF
Es lag sicher vor allem an den unberechenbaren Wetterverhältnissen, dass bei der Premiere von „Der Besuch der alten Dame“ einige Sitze im mittlerweile efeubefreiten Efeuhof des Rathauses leer blieben. Dabei hatte der Wettergott Erbarmen und zeigte sich freundlich zum Start des diesjährigen Sommerstückes des Theater Ensemble.
Die spielwütige Truppe aus der Frankfurter Straße entführt uns mit Friedrich Dürrenmatts Klassiker in das Örtchen Güllen. Man ist „politisch und finanziell ruiniert“. Doch das soll anders werden, denn es hat sich Besuch angekündigt: Claire Zachanassian, früher Klara Wäscher, ist als Tochter der Stadt vom leichten Mädchen zur Milliardärin aufgestiegen. Und somit für das Dorf nun die „einzige Hoffnung, außer Gott: Aber der zahlt ja nicht!“.
Die alte Dame wird mit großem Beifall empfangen. Herrlich trocken und überlegen genießt Hauptdarstellerin Christel Riedel ihren Auftritt im eleganten schwarzen Zweiteiler mit Glitzerturban. Die rote Perücke strahlt, und so wird Claire alias Klara gleich von ihrem ehemaligen Geliebten Alfred Ill (Herbert Hausmann) als „Wildkätzchen“ und „Zauberhexchen“ begrüßt.
Alles gut – bis das Gepäck der Dame in die Pension gebracht wird, und sich herausstellt, dass sie neben Gatte Nummer Sieben und einem waschechten Panther auch einen Sarg dabei hat. Die reiche Alte hat einen fiesen Plan: Eine Milliarde will sie locker machen – im Austausch für Gerechtigkeit. Ihr Ex Ill hat sie einst verraten – und nun soll dies gerächt werden.
Dürrenmatts Stück ist ein Klassiker – und steht doch erschreckend modern da, gibt es ja derzeit so einige Milliardäre, die im Sinne der „alten Dame“ handeln: „Anständig ist, wer zahlt. Und ich zahle!“
Andreas Büettner inszeniert das Lehrstück mit vielen lustigen Momenten und überraschend witzigen Ideen wie einem wortwörtlich „lebendigen“ Wald. Dabei sprudeln die Schauspieler vor Spielfreude – vom schrulligen Gatten sieben bis neun (Thomas Schröter) über den geldgeilen Pfaffen (Jan Ulbricht) bis hin zu der nur im Suff moralischen Lehrerin (Angela Fricke). Auch Jarno Riefer als engagierter Bürgermeister oder Paula Gomez als bestechliche Polizistin überzeugen.
So gab es zum Schluss zu Recht viel Beifall – vor allem für die schillernde „alte Dame“ Christel Riedel, die ohne Ermüdungserscheinungen zweieinhalb Stunden lang das stimmige Ensemble souverän anführte.
Kristina Deininger - MainPost
GELUNGENES ZUSAMMENSPIEL BEIM BESUCH DER ALTEN DAME
Das Premierenpublikum im Efeuhof durfte sich am Sonntagabend auf makabres Treiben gefasst machen als Christel Riedel alias Claire Zachanassian, rotperückte Femme Fatale und Milliardärin mit Hang zur seriellen Monogamie ihren Geburtsort Güllen heimsuchte.
Dürrenmatts zeitloser Klassiker „Der Besuch der alten Dame“ bedarf in der Umsetzung des Würzburger Theater Ensemble nur punktueller inszenatorischer Eingriffe um sich nahtlos in die Gegenwart zu fügen, so muss als zahlungskräftiger Museumsakquisator Amerika den Chinesen das Feld überlassen, anstatt der neuen Remington ersetzt iOS XP und Alfred Ills Sprösslinge mutieren zu „Smombies“.
Riedel - Idealbesetzung der Zachanassian, Jarno Riefer, als Bürgermeister mal jovialer, mal forscher Wortführer der Bürgerschaft, und Thomas Schröter in komödiantisch-pantomimischer Mission bilden dabei – gewohnt souverän agierend – Eckpfeiler dieser Inszenierung, während das übrige Personal durch fließende Figuren- und Kostümrochaden für dynamischen Drive sorgt.
Regisseur Andreas Büettner evoziert zudem durch die gezielte Platzierung handelnder Personen im Zuschauerraum, atmosphärische Soundeffekte und den angedeuteten Einbezug des Publikums ein ganzheitliches Theatererlebnis und entkrampft die düstere Thematik von Schuld, Rache und Korruption mit Situationskomik, skurrilen Elementen und dialektalen Eskapaden, wie Karolin Benker als sächselnde Schaffnerin.
Ein gelungenes Zusammenspiel aller Kräfte somit, was der nicht vollbesetzte Hof, dessen Nerv die Inszenierung offensichtlich getroffen hatte, nicht nur am Ende mit reichlich Applaus quittierte.
Simon Hörnig via Facebook
DEUTSCHE BAUMGRUPPEN
Warum hat Friedrich Dürenmatt Christel Riedel ein Stück extra auf den Leib geschrieben? Warum kann Thomas Schröter besser wie Til Schweiger gucken als Til Schweiger? Antworten auf diese Fragen und wieso ich seit kurzem deutsche Baumgruppen mit ganz anderen Augen sehe, gibt es beim "Besuch der Alten Dame" beim Sommertheater im Efeuhof.
K.F. - Uni Würzburg